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Die Kommission

Dr. Franziska Schürch, Präsidentin

Kulturhistorikerin, Co-Geschäftsführerin von Schürch & Koellreuter, Kulturwissenschaft und Geschichte. Seit 2019 Präsidentin der Kommission des GGG Neujahrsblatts.

Lieblingsbuch

Paul Siegfried: Basel im neuen Bund I. Das Basler Gesundungswerk, der Anschluss Basels an die Eisenbahnen, Basel und der Ausbau der neuen Eidgenossenschaft, 103. Neujahrsblatt der GGG, 1925.

In den 1920-er Jahren begann der ehemalige Basler Staatsanwalt Dr. Paul Siegfried (1878-1938) eine wahrhaft heldenhafte Aufgabe: er plante die Aufarbeitung der Basler Geschichte von 1848 bis 1875 in einem Zyklus über drei Neujahrsblätter. Nach dem ersten Band von 1925 mit dem Titel «Basel im neuen Bund» kündete Siegfried an, dass es mindestens doppelt so viele Neujahrsblätter brauche, um den geplanten Stoff zu verarbeiten. Nach zwei weiteren Neujahrsblättern (1926 und 1928) gab sich der Autor jedoch geschlagen: es fehle an historischen Vorarbeiten, auf denen man aufbauen könne, so seine Begründung. Siegfrieds drei Bände über Basel nach 1848 sind jedoch bis heute enorm lesenswert. Der erste Band behandelt drei ganz zentrale Aspekte der Geschichte Basels in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: die Veränderungen der Stadt durch die Ankunft der Eisenbahn, die «hygienischen Stadt» im Kontext des Aufbaus einer kantonalen Verwaltung und die Verbindungen zwischen dem Kanton Basel-Stadt und dem neuen Bundesstaat. Siegfrieds drei Bände beschreiben sehr anregend eine Phase der rasantesten Veränderungen der Stadtgeschichte Basel. Eine Zeit zahlreicher grundlegender Umbrüche, geprägt von der Ablösung herkömmlicher Systeme und der Suche nach neuen Gleichgewichten.



Mirjam Häsler Kristmann

Historikerin, Autorin des Neujahrsblatts 187, seit 2013 Mitglied der Kommission des GGG-Neujahrsblatts.

Lieblingsbuch

Albert Spycher: Back es im Öfelin oder in der Tortenpfann. Fladen, Kuchen, Fastenwähen und anderes Gebäck, 186. Neujahrsblatt der GGG, 2008.

Für Zugezogene wie mich ist es gewöhnungsbedürftig, dass Cervelats in Basel «Glepfer» heissen, Semmeli «Schlumbi» und Weggli «Schwöbli». Albert Spycher leistet Übersetzungshilfe und öffnet mit seinem Neujahrsblatt einen weiten Fächer zum Thema gebackener Speisen in Basel von der vorreformatorischen Zeit bis heute. Dabei schöpft er aus reichhaltigen Quellen und rekonstruiert die Geschichte verschiedener Backwaren wie Fladen, Pfannkuchen, Kuchen, Torten, Wähen, Wecken, Brezeln oder Fastenwähen. Wer nach der Lektüre noch nicht genug hat, kann es wagen, eines der vielen originalgetreu transkribierten Rezepte nachzubacken. Und wem der Sinn nach mehr historischer Kochlektüre steht, schmökere in Andreas Morels Neujahrsblatt «Basler Kost. So kochte Jacob Burckhardts Grossmutter» aus dem Jahr 2000. E Guete!


Oliver Hungerbühler

Historiker, Abteilungsvorsteher Berufsmaturität BFS Basel, seit 2014 Mitglied der Kommission des GGG-Neujahrsblatts.

Lieblingsbuch

Paul Meier-Kern: Verbrecherschule oder Kulturfaktor? Kino und Film in Basel 1896-1916, 171. Neujahrsblatt der GGG, 1993.

Das Buch über die Anfangsphase des Kinos und des Films in Basel funktioniert selber wie ein Film und nimmt einen mit auf eine Reise in vergangene Zeiten und in ein Basel, das aus heutiger Sicht wie eine fremde Welt erscheint. Man liest von der Faszination über die moderne Technik des ersten Cinétographen und staunt über den Unternehmergeist der Betreiber von Wanderkinos und später der ersten ständigen Kinematographentheater. Auch die gesellschaftlichen Entwicklungen werden beleuchtet, so wundert man sich über ein Zensurgesetz, dem ein Diskurs über die Gefährlichkeit der Kinos (Jugendschutz! Macht Kino kriminell?) oder über die Chancen des neuen Mediums (Bildung!) voranging.

Eine bewegte Geschichte über die bewegten Bilder, "die zum Niederreissen der mentalen Stadtmauern geführt hat."


Noah Regenass

Kunsthistoriker, Fachreferent an der Universitätsbibliothek Basel, seit 2018 Mitglied der Kommission des GGG-Neujahrsblatts.

Lieblingsbuch

Stefan Hess: Die Suche nach dem Stadtgründer. Sptämittelalterliche Ursprungsmythen in Basel und ihre neuzeitlichen Nachfolger. 198. Neujahrsblatt der GGG, 2020.

Ortsnamen wecken Erinnerungen und Assoziationen. Die mit Ortsnamen verbundenen Gründungsmythen schaffen gemeinsame Identitäten. So auch in Basel, wo man bereits im Kindesalter gerne den Geschichten lauscht, seit wann hier eine Siedlung existiert und woher der Name Basel eigentlich stammt. Das Angebot ist reichhaltig: Ein Römischer Offizier mit Namen Basilius soll Basel gegründet haben, so eine Deutung. Noahs Sohn Japhet sei Basels Stadtvater, womit hier am Rheinknie die erste Ansiedlung in Europa entstand, so eine weitere Meinung. Andere wiederum behaupten Munatius Plancus, einen Vertrauten des Kaiser Augustus, hätte seine Hände bei der Gründung Basels im Spiel gehabt. Oder war es doch ein Basilisk? Der Historiker Stefan Hess verfolgt in seinem Werk die verschiedenen Interpretationen und Meinungen, wann das Leben hier am Rheinknie zu einer Siedlung zusammenwuchs und macht deutlich: Jede Zeit hat ihre eigene Version der Stadtgründung parat.


Patricia Zihlmann

Historikerin und Editionsphilologin, stellv. Leiterin der Forschungsstelle Jeremias Gotthelf, seit 2019 Mitglied der Kommission des GGG-Neujahrsblatts.

Lieblingsbuch

Sabine Sommerer: Wo einst die schönsten Frauen tanzten… Die Balkenmalereien im «Schönen Haus» in Basel, 182. Neujahrsblatt der GGG, 2004.

In meiner Studienzeit bin ich den Nadelberg auf meinem Weg zu den Universitätsgebäuden fast täglich entlanggegangen – doch die Balkenmalereien im «Schönen Haus» kannte ich damals nicht. Sabine Sommerer untersucht in ihrem Buch nicht nur die Malereien, sondern gibt auch Einblicke in die Entstehung des Baus, den der Auftraggeber Konrad von Hertenberg – ein sozialer Aufsteiger – nutzte, um sich als Mitglied der städtischen Oberschicht darzustellen: Er wählte mit dem Nadelberg eine exquisite Wohnlage und scheute keine Kosten für die bauliche und dekorative Gestaltung des «Schönen Hauses». Wie sich die Balkenmalereien in die ritterlich-höfische Kultur einordnen lassen, zeigt die Autorin anhand vielfältiger Quellen: Illustrationen etwa von Textilien, Kacheln und Handschriften oder Auszüge aus mittelalterlichen Texten über Fabelwesen. Gerade die zahlreichen Darstellungen, in denen es kämpfende Zwerge, Einhörner und weitere wunderbare Wesen zu entdecken gibt, gefallen mir besonders. Einer meiner Favoriten ist etwa die zweiköpfige Amphisbaene, die sich am Nadelberg selbst in die Nase beisst.


Kontakt

GGG Neujahrsblatt
c/o Dr. Franziska Schürch
Im Zehntenfrei 31
4102 Binningen

franziska.schuerch@bluewin.ch