Lieblingsbuch
In Basel wird die eigene Stadt heutzutage gerne auch als Marke verkauft: als Kulturhauptstadt der Schweiz, als Tor zu Europa oder als Fussballstadt. Basel habe seinen eigenen Groove, ticke anders und das nicht nur an der Urne bei nationalen Abstimmungen. Solche Selbst- und Fremdzuschreibungen haben ihre Geschichte – und sie sind plastisch, wie das Buch von Thomas Blubacher eindrücklich zeigt. Der Theaterwissenschaftler ging 18 Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur nach, die im 20. Jahrhundert für kurz oder länger in Basel lebten. Herausgekommen sind Geschichten von Menschen, die Basel nicht unterschiedlicher hätten erleben können. Die österreichische Schauspielerin Eva-Maria Duhan fand in Basel ihr künstlerisches Zuhause. Geradezu konträr erging es dem deutschen Schriftsteller Alexander Moritz Frey, der aus Nazi-Deutschland floh und über Umwege im «klimatisch und geistig verstockten» Basel landete. Er lebte mit provisorischer Aufenthaltsbewilligung, wurde phasenweise zensuriert und verdiente kaum etwas. Ganz unterschiedlich erlebten auch Oskar Wälterlin, Wilhelm Herzog und Thea Sternheim ihr Leben in Basel. Wälterlin war Basler Theaterdirektor und wurde wegen seiner Homosexualität unrühmlich aus seiner Vaterstadt vertrieben. Herzog wiederum war einer der wenigen deutschen Autoren, die längere Zeit im Basler Exil nicht nur leben, sondern auch arbeiten und Geld verdienen konnten. Ähnlich erging es der Schriftstellerin Thea Sternheim – nur vermisste sie in der kleinen Stadt Basel ihr einstiges Leben in der Seine-Metropole Paris. Und dann gibt es auch noch die prächtigen Missverständnisse: Als Bertolt Brecht 1923 im Basler Stadttheater mit «Trommeln in der Nacht» sein dramatisches Debüt in der Schweiz feiern sollte, traute er bei der Ankunft seinen Augen nicht: Fasnachts-trommler empfingen ihn und boten ihm ihre Unterstützung an. Diese Mischung aus schweren Schicksalen, grossen Karrieren und amüsanten Anekdoten macht Blubachers Buch nicht nur zu einer spannenden und kurzweiligen Lektüre – man erwischt sich auch beim Gedanke: was bedeutet die Stadt Basel eigentlich für mich?






